Babys hören bereits im Mutterleib: Ab der 24./25. Schwangerschaftswoche kann man feststellen, dass Babys auf Geräusche mit Gehirnreaktionen reagieren. „Das ungeborene Kind erreichen Umweltgeräusche durch Gebärmutter und Fruchtwasser jedoch nur gedämpft“, erklärt Stefanie Höhl. Sie ist Psychologin an der Universität Wien und befasste sich im Rahmen einer Studie damit, wie Babys auf Musik reagieren. Babys nehmen im Mutterleib den Herzschlag und Blutfluss der Mutter sowie Geräusche ihres Verdauungsapparats wahr. „Während Stimmen von außerhalb nur gedämpft und auf niedrige Frequenzen begrenzt an das Ohr des Fötus gelangen, kann die mütterliche Stimme im Bauch gut wahrgenommen werden. Zahlreiche Studien belegen motorische Reaktionen und Änderungen in der Herzrate des Fötus in Reaktion auf Geräusche im letzten Schwangerschaftsdrittel“, erklärt Stefanie Höhl. Nach der Geburt entwickeln sich das Gehör und die Reaktionen des Babys auf das Gehörte weiter.
Musik vorspielen
Für ihre Studie spielte Stefanie Höhl Babys Musik vor und beobachtete ihr Verhalten im Vergleich zu Situationen ohne Musik. In früheren Studien konnte bereits gezeigt werden, dass Babys sich mehr bewegen, wenn ihnen Musik vorgespielt wird. „In unserer Studie haben wir nun moderne Video-Analyse Software verwendet, die mittels Machine Learning automatisiert das Verhalten von Babys auswerten kann. Dadurch konnten wir – im Vergleich zu früheren Studien – präziser das Verhalten der Kleinen auswerten und mit der Musik in Bezug setzen. Wir konnten zeigen, dass die Bewegungen von Babys bereits mit drei Monaten von der Musik, die sie hören, ein Stück weit ‚vorhergesagt‘ werden können. Das hat aber nur bei Musik funktioniert, nicht wenn wir Töne zufällig zusammengemischt haben.“
Verstärkte Gehirnaktivität
Dreimonatige Babys zeigen zudem eine verstärkte Gehirnaktivität, wenn sie Musik hören. Koordiniert waren die Bewegungen als Reaktion auf die Musik erst mit zwölf Monaten: „Unsere Ergebnisse der Messungen der Gehirnaktivität mit EEG zeigen, dass die Gehirne der Babys schon früher die Musik ziemlich präzise wahrnehmen können. Allerdings sind die Kleinen in ihrer motorischen Kontrolle noch stark eingeschränkt. Sie können die gehörte Musik noch nicht in koordinierte Bewegungen übersetzen. Das klappt laut unseren Ergebnissen erst gegen Ende des ersten Lebensjahres,“, erklärt Stefanie Höhl.
Musik integrieren
Wie sollen Bezugspersonen eines Babys Musik in den Alltag des Nachwuchses integrieren? Stefanie Höhl: „Viele Eltern und andere Bezugspersonen machen das ganz intuitiv, etwa durch Vorsingen beim Tragen oder musikalische Spiele in Alltagssituationen wie beim Anziehen oder Windeln wechseln. Meine grundsätzliche Empfehlung ist, Babys Musik anzubieten, die einem selbst gefällt und sich nicht zu scheuen, mitzusingen und zu tanzen. Für die Babys ist nicht die perfekte künstlerische Darbietung wichtig, sondern die positiven Interaktionen, die durch Musik entstehen.“
Genre egal
Regelmäßigkeit, also sich wiederholende musikalische Muster, sind für Babys wichtig, um der Musik gut folgen zu können: „Eine frühere Studie von uns hat gezeigt, dass Babys langsamen, regelmäßigen Schlafliedern besonders gut folgen können. Wenn sie komplexeren, schnelleren Spielliedern gut folgen konnten, wirkte sich das positiv auf ihre späteren Sprachfähigkeiten aus. Verschiedene Arten von Musik können also förderlich sein und unterschiedliche Funktionen erfüllen, zum Beispiel Beruhigung oder Anregung.“ Laut Stefanie Höhl können Bezugspersonen hier nichts falsch machen, es gibt keine schädliche Musik für Babys. Umgekehrt gibt es auch keine Musik, die besonders förderlich für deren Entwicklung ist. Die Expertin sagt: „Ich finde, das sind gute Nachrichten für Eltern und andere Bezugspersonen. Sie können ihren Babys einfach die Musik anbieten, die ihnen selbst am besten gefällt, dadurch haben alle ihre Freude daran.“




