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5. August 2026

Globale Erwärmung von 1,7 Grad ist fix

Von Schrödingers Katze
Erde
Uns steht eine globale Erwärmung von 1,7 Grad in den nächsten Jahren bevor. In Österreich noch mehr.

Die Welt wird heißer – das bestätigt die Wissenschaft abermals. Forscher*innen des Wegener Center für Klima und Globalen Wandel und des Instituts für Physik (beide an der Universität Graz angesiedelt) berechneten mittels einer neuen Methode die globalen Temperaturen der kommenden Jahre. Klimaforscher Moritz Pichler: „Einerseits gibt es einen längerfristigen Aufwärtstrend, verursacht durch menschliche Aktivitäten. Andererseits gibt es gewisse natürliche wiederkehrende Muster wie das El-Niño-Phänomen.“ Das ist ein Vorgang, bei dem sich das Oberflächenwasser einer Region im Pazifik für eine gewisse Zeit stark erwärmt – mit Auswirkungen auf die globale Temperatur. Der Höhepunkt dieses Ereignisses liegt rund um den Jahreswechsel, darauf spielt der Name an, denn „El Niño“ bedeutet „Das Kind“ (in Anlehnung an das Christkind).

Jahresmitteltemperatur

Klimaforscher Moritz Pichler: „Um die globale Durchschnittstemperatur für das laufende Jahr abzuschätzen, nehmen wir die bereits gemessenen Monatswerte und ergänzen sie um Vorhersagen aus einem saisonalen Klimamodell für die Monate, zu denen es noch keine Daten gibt. Wir haben berechnet, wie wir diese Monatsmitteltemperaturen aus den Modellvorhersagen für unsere Zwecke statistisch weiter verbessern können. Das funktioniert besonders gut, wenn ein El-Niño-Ereignis im Gange ist.“ Die Wissenschafter*innen nutzen also eine Kombination aus den bereits gemessen und den speziell korrigierten vorhergesagten Monatsmitteltemperaturen bis Dezember, daraus ergibt sich die Jahresmitteltemperatur inklusive einer mit abgeschätzten Schwankungsbreite.

Vorindustrielles Niveau

Liest man Artikel über den Klimawandel, stoßt man oft auf den Begriff „vorindustrielles Niveau“. Das ist ein wichtiger Vergleichswert für die Wissenschaft. Man vergleicht die heutigen bzw. künftig zu erwarteten Temperaturen mit jenen aus der Zeit von 1850 bis 1900, denn zu dieser Zeit war das globale Klima weitgehend frei von menschlichem Einfluss. „Wenn man sorgfältig alle natürlichen Veränderungen seither herausrechnet, bekommt man einen guten Schätzwert für die menschengemachten Veränderungen“, so Moritz Pichler. „Gemessen an der Temperatur liegt diese nun bei etwa, eben im Vergleich zum vorindustriellen Niveau, bei +1,5°C im 20-Jahres-Mittel. Rechnet man die natürliche Klimaschwankung dazu, könnten wir voraussichtlich die gemittelte Jahrestemperatur von +1,7°C im Jahr 2027 erreichen.“ Besonders negativ wird sich die Erderwärmung in Städten auswirken, wo Menschen dichter zusammen wohnen und weniger Grünflächen für Hitzeinseln sorgen. Über die Situation in Österreich sagt Moritz Pichler: „In Österreich zum Beispiel schreitet die globale Erwärmung etwa doppelt so stark voran als im weltweiten Mittel, weil sich Landgebiete grundsätzlich schneller aufheizen als Ozeane, die im globalen Mittel immerhin über 70 % der Erdoberfläche ausmachen. Dieser Wärmepuffer fehlt im Landesinneren wie zum Beispiel in Österreich“

Maßnahmen

Die politischen Bestrebungen, den Klimawandel in den Griff zu bekommen, sind ungenügend. „Sie sind nicht einmal ausreichend, um die Erderwärmung deutlich einzubremsen. Um sie aufzuhalten bzw. eine langfristige Abkühlung zu erreichen, wäre eine langfristige Netto-Null bei den Emissionen nötig. Das heißt, dass die Menschheit nicht mehr Treibhausgase ausstoßen darf, als sie durch den Aufbau und die Wiederherstellung natürlicher Senken wie Wäldern und Mooren sowie ergänzenden technischen Verfahren aus der Atmosphäre entnehmen kann. Diese Senken haben allerdings klar limitierte Kapazitäten, weshalb drastische Emissionsreduktionen zwingend notwendig sind.“ Vor allem müsste der Energiesektor emissionsfrei werden, die nächstgrößeren Baustellen sind die Landwirtschaft sowie industrielle Prozesse wie die Zementproduktion. Die Politik muss Gesetze verabschieden, um den Klimawandel einzubremsen und seine Auswirkungen zu mindern. Auch Demonstrationen können hilfreich sein. Zudem hat jeder Mensch in seinem Privatleben Möglichkeiten, nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Die Schäden des menschengemachten Klimawandels sind bereits erkennbar. Es geht vielmehr darum, wie viel Verzug wir uns noch leisten können, betont Moritz Pichler. „Jedes Jahr kostet Leben und Geld. Die gute Nachricht ist, dass wir wissen, was zu tun ist.“

Klimawissenschafter Moritz Pichler
Moritz Pichler ist an der Universität Graz tätig. © Hölbling

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