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29. Oktober 2020

Die stressfreie Kartoffel

Von Schrödingers Katze
Natur & Umwelt
Forscher*innen suchen eine Kartoffel, die den Klimawandel aushält.

Die Kartoffel gehört zu den wichtigsten Lebensmitteln der Welt. Doch die extremen Wetterschwankungen, die der Klimawandel mit sich bringt, setzen den Kartoffeln und damit der Landwirtschaft maßgeblich zu. Forscher*innen untersuchen deshalb für das EU-Projekt „Adapt“, wie sich die Nutzpflanze an erschwerte Umweltbedingungen anpasst.

Eine Reihe ausgegrabener Kartoffeln liegt auf einem Feld.
Starkregen und lange, intensive Hitze- und Dürreperioden machen der Landwirtschaft zu schaffen.
Foto: Markus Teige.

EU-Projekt hilft Landwirtschaft

Die Kartoffel stammt ursprünglich aus den Hochlandregionen der Anden in Südamerika, deshalb wächst sie am besten dort, wo es kühl ist. Schon Temperaturen ab 25 Grad Celsius setzen ihr zu. Aufgrund des Klimawandels werden Hitzetage hierzulande immer häufiger, entsprechend prekär könnte die Zukunft der Kartoffelbäuerinnen und -bauern aussehen.

„Ein weiteres großes Problem für die Qualität der Knollen ist Nässe, die ja oft durch Starkregen nach längerer Trockenheit auftritt“, erklärt Markus Teige von der Uni Wien. „Diese führt schnell zu Schädlingsbefall und kann die ganze Ernte in der betroffenen Fläche innerhalb von Tagen unbrauchbar machen.“

Zusammengenommen würden die Folgen des Klimawandels gerade in den letzten Jahren zu deutlichen Ertragseinbußen in vielen Regionen Europas führen, so Teige. Er arbeitet im Rahmen des von der EU geförderten Horizon 2020 Forschungsprojekts „Adapt“ an möglichen Lösungen. Teil des Projektteams sind neben Forscher*innen der Uni Wien auch 17 weitere Partner*innen.

Das Bild zeigt eine weiße Schale voller Pommes.
Hitze führt dazu, dass die Kartoffelpflanze mehr Blätter und dafür kleinere Knollen bildet. Foto: Dzenina Lukac / Pexels.

Kartoffel-Gene kreuzen

Die Forscher*innen haben konkrete Lösungsansätze. Sie versuchen, auf molekularer Ebene zu verstehen, weshalb manche Kartoffelsorten besser mit Hitze und Dürre umgehen können als andere. „Wenn man die Gründe für die bessere Anpassungsfähigkeit an diese Stressbedingungen kennt, kann man versuchen, die entsprechenden Gene in die lokalen Sorten einzukreuzen und somit bessere Sorten zu erhalten“, so Markus Teige.

Das durch diese Forschungsarbeit erzielte Wissen soll Landwirt*innen so schnell wie möglich sowie niederschwellig zur Verfügung gestellt werden. Neben dem Einsatz von bestimmten, wetterfesten Sorten sollen auch neu entwickelte, molekulare Sensoren anzeigen, wenn die Pflanzen unter dem Wetter leiden, damit frühzeitig Maßnahmen zum Schutz der Ernte getroffen werden können.

Das Bild zeigt einen Haufen Kartoffeln, der in einer Halle liegt.
Nicht nur der Klimawandel, sondern auch Schädlinge wie der Drahtwurm setzen der Kartoffelernte zu.
Foto: marjan_blan / Unsplash.

Qualitätsansprüche mit Stressresistenz verbinden

„Für die Endverbraucher*innen ist natürlich besonders die Qualität – also Lagerfähigkeit und Geschmack der Kartoffel – auch ein zentraler Punkt, der nicht vergessen werden darf“, unterstreicht Markus Teige die Bedeutung der Ergebnisse des Forschungsprojekts, an dem er bis 2024 arbeiten soll.

„Die beste Sorte wird nichts nützen, wenn sie nicht dem Geschmack der Verbraucher*innen entspricht. Daher ist es besonders wichtig zu wissen, welche molekularen Faktoren eigentlich für die Toleranz verantwortlich sind, damit man versuchen kann, wie sich diese gezielt in beliebte lokale Sorten einzukreuzen lassen“, so Teige.

Markus Teige steht in einer Art Gewächshaus und blickt durch eine Pflanze hindurch direkt in die Kamera.
Dipl.-Chem. Dr. Markus Teige von Forschungsgruppe Plant Signalling der Uni Wien.
Foto: Markus Teige.

Dieser Artikel gehört zur Themenreihe:

Eine Straße, Autos und Häuser stehen unter Wasser.

Wie und wo der Klimawandel bereits spürbar ist

Die Auswirkungen der Erderwärmung sind vielfältig, langfristig und schwer aufzuhalten. Was tun wir dagegen?

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