Wissenschaftliche Forschung mit dem Alltag von Pflegekräften sowie den Bedürfnissen älterer Menschen zu vereinen, das ist das Ziel des Reallabors Opinion Lab. Reallabore zeigen, wie die Wissenschaft mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeitet und Wissen Wirkung zeigt. Im Opinion Lab wird untersucht, wie Pflege im Alter wirksam, menschlich und wissenschaftlich fundiert ist. Es ist eine Kooperation zwischen dem Caritas Pflegewohnhaus St. Peter und dem Institut für Pflege- und Gesundheitswissenschaften der Medizinischen Universität Graz. Manuela Hödl ist Pflegewissenschafterin und leitet das Reallabor. Sie sagt: „Im Opinion Lab arbeiten Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen gemeinsam mit den Bewohner*innen an praxisrelevanten Fragestellungen. Ziel ist es, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen und evidenzbasierte Lösungen zu entwickeln, die sich nachhaltig und alltagstauglich in die Pflegepraxis integrieren lassen.“
Maßnahmen gemeinsam entwickeln
Das Projekt soll langfristig die Qualität in Pflegeheimen sowie die Zufriedenheit der Bewohner*innen steigern. Im Zentrum steht dabei ein Living-Lab-Ansatz. Manuel Hödl erklärt, was darunter zu verstehen ist: „Bewohner*innen, Angehörige und Pflegekräfte werden aktiv in alle Phasen des Forschungsprozesses einbezogen. Um dies sicherzustellen, sind die Forscher*innen – die sogenannten Scientific Linking Pins – einmal wöchentlich vor Ort im Pflegeheim präsent. Sie vertreten das Institut für Pflege- und Gesundheitswissenschaften, koordinieren die Forschungsaktivitäten und gewährleisten die wissenschaftliche Qualität. Die Perspektive der Pflegeeinrichtung wird durch wird durch einen Praktiker, der im Pflegeheim sowie im Projekt tätig ist, eingebracht. Ergänzend dazu besteht ein enger und kontinuierlicher Austausch mit dem Management der Organisation sowie der jeweiligen Pflegeeinrichtung.“
Chronische Schmerzen
Inhaltlich hat man sich beim Projekt auf nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Reduktion von chronischen Schmerzen fokussiert. Dafür stellte man einen Maßnahmenkatalog zusammen, der den Pflegekräften die Möglichkeit bietet, Schmerzen nicht nur durch Medikamente zu lindern, sondern auch in Kombination mit nicht-medikamentösen Maßnahmen. „Dazu zählen die Anwendung von Kälte und Wärme, Bewegung, Ablenkung (wie zum Beispiel Basteln und Zeichnen) oder empathische Zuwendung. Wichtig ist, die Maßnahmen an die Bewohner*innen anzupassen und einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen, der die Bedürfnisse und Präferenzen der Betroffenen berücksichtigt.“
Ergebnisse und Vorbilder
Seit Beginn des Opinion Labs hat sich der Alltag der Pflegekräfte deutlich positiv verändert: Evidenzbasiertes Wissen hielt stärker Einzug in die tägliche Pflegepraxis. Für das Schmerzmanagement, also der Umgang mit Schmerzen von Bewohner*innen, wurde ein eigener Workflow ermittelt. Zudem wissen die Pflegekräfte noch besser über wissenschaftliche Arbeitsweisen Bescheid. Der Zugang zu Forschungsergebnissen wurde ebenso leichter. Durch die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Pflegepraxis zeigte sich außerdem, dass die Bewohner*innen selbst auch mehr involviert sein möchten, und dass es hilft, wenn alle Beteiligten gemeinsam an Lösungen arbeiten. Projekte, die als Vorbild für das Opinion Lab dienten, sind etwa das Living Lab in Ageing and Long-Term Care in Limburg (Niederlande), das Living Lab Niche-Leeds in Leeds (UK) sowie das Living Lab PraWiLab in Köln (Deutschland). „Alle Living Labs stehen in regelmäßigem Austausch und kommen einmal jährlich beim Living Lab Symposium zusammen“, so Manuela Hödl. Reallabore wie das Opinion Lab stehen für gelebte Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis, sie sind innovativ und zeigen, wie Pflege gemeinsam mit den involvierten Menschen weiterentwickelt werden kann.




