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20. März 2026

Musiker*innen haben ein besseres Gedächtnis

Von Schrödingers Katze
Allgemein
Musiker*innen merken sich musikalische Inhalte besser und haben bessere Leistungen beim visuell-räumlichen und beim verbalen Kurzzeitgedächtnis.

Es gab bereits mehrere Studien die darauf hinweisen, dass Musiker*innen bessere Gedächtnisleistungen haben als Nicht-Musiker*innen. Allerdings hatten diese Studien relativ kleine Stichproben und widersprachen sich teilweise, betont Francesca Talamini. Die Psychologin ist an der Universität Innsbruck tätig und leitet das Projekt „The Music Ensemble“, das das Kurzzeitgedächtnis von Musiker*innen untersucht. Das Kurzzeitgedächtnis ist eine Gedächtnisform, die es uns ermöglicht, Informationen für einige Sekunden bis wenige Minuten zu speichern. Es hat also eine begrenzte Kapazität. Meist unterscheidet man dabei zwischen dem verbalen Kurzzeitgedächtnis (zum Beispiel Wörter, Zahlen oder Buchstaben) und dem visuell-räumlichen Kurzzeitgedächtnis (zum Beispiel Positionen von Objekten im Raum). 

Verschiedene Formen von Intelligenz

Das Ergebnis der Studie: Musiker*innen haben tatsächlich Vorteile gegenüber Nicht-Musiker*innen hinsichtlich der Leistung ihres Gedächtnisses. Sie haben ein besseres musikalisches Kurzzeitgedächtnis und schneiden ebenso besser in den Bereichen der fluiden und der kristallinen Intelligenz ab. Zudem sind sie besser darin, vorausschauend zu planen und sie sind offener für neue Erfahrungen. Unter fluider Intelligenz versteht man dabei die Fähigkeit, abstrakt zu denken und Probleme zu lösen, unabhängig von schulischer Bildung oder speziellem Wissen. „In der Regel gilt: Je höher die fluide Intelligenz, desto besser sind oft auch andere kognitive Leistungen, beispielsweise das Gedächtnis.“ Kristalline Intelligenz wiederum umfasst jene Anteile der Intelligenz, die stark durch Bildung und Erfahrung geprägt sind. In der Schule wird kristalline Intelligenz etwa durch verbale Fähigkeiten gemessen.

Zwei Theorien

Francesca Talamini nennt zwei zentrale Theorien dazu, warum Musiker*innen eine bessere Gedächtnisleistung haben: Die erste Theorie besagt, dass musikalisches Training wie eine Art kognitives Fitnessstudio wirkt. „Aufgrund seiner Komplexität und multisensorischen Natur – Musik verbindet musikalische Sprache, Klangverarbeitung und motorische Handlung – könnte es verschiedene kognitive Fähigkeiten stärken. Studien zur Neuroplastizität (das ist die lebenslange Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern, Anm.) legen nahe, dass das Spielen eines Instruments strukturelle und funktionelle Veränderungen im Gehirn bewirken kann, die sich positiv auf mehrere kognitive Bereiche auswirken.“ Die zweite Theorie bezieht sich laut der Forscherin auf Selbstselektionseffekte: „Mit diesem Begriff ist gemeint, dass Menschen, die bereits bestimmte Eigenschaften aufweisen, dazu neigen, eine musikalische Laufbahn einzuschlagen. Diese Sichtweise schließt nicht aus, dass musikalisches Training neuroplastische Veränderungen fördert. Die zweite Theorie geht jedoch davon aus, dass Vorteile in kognitiven Bereichen, die nicht direkt mit musikalischem Training verbunden sind, eher auf bereits vorhandene Eigenschaften zurückzuführen sind. Mögliche Trainingseffekte würden sich dann vor allem auf unmittelbar geübte Fähigkeiten beziehen, etwa motorische Koordination“, so Francesca Talamini.

Gedächtnistraining

Die Forscherin betont, dass durch ihre Arbeit die Kausalität nicht endgültig klären kann, man kann lediglich die Frage beantworten, ob und in welchen Bereichen sich Musiker*innen von Nicht-Musiker*innen unterscheiden. „Auf Grundlage solcher Ergebnisse lassen sich gezieltere Studien planen. Um tatsächlich zu prüfen, ob das Erlernen eines Instruments die Gedächtnisleistung verbessert, müsste man Personen über mehrere Jahre begleiten. Dabei müssten die Teilnehmenden zufällig unterschiedlichen Trainingsformen zugeteilt werden. Nur so ließen sich bestehende Unterschiede und Selbstselektionseffekte ausschließen“, betont die Forscherin. In der wissenschaftlichen Gemeinschaft wird das Thema Gedächtnis kontrovers diskutiert: „Einige Studien legen nahe, dass ein geistig aktiver Lebensstil – also regelmäßig anspruchsvolle und stimulierende Tätigkeiten, nicht unbedingt Musik – einen Schutzfaktor gegen kognitiven Abbau im Alter darstellen kann.“ Gezielte kognitive Trainings können Strategien vermitteln, um bestimmte Leistungen – wie zum Beispiel das Gedächtnis – zu verbessern. Dennoch schränkt die Expertin ein: „Von einer generellen Steigerung der Intelligenz würde ich jedoch nicht sprechen. Vielmehr geht es darum, die vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen und Strategien zu entwickeln, um leistungsfähiger zu werden. Insgesamt handelt es sich um ein intensiv diskutiertes Forschungsfeld, in dem es bislang keine eindeutigen Positionen gibt.“

Psychologin Francesca Talamini
Die Psychologin Francesca Talamini ist an der Universität Innsbruck tätig. © privat

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