Alle vier Jahre findet die Fußball-WM der Männer statt. Dieses Jahr kämpfen 48 Mannschaften in Kanada, Mexiko und den USA um den Sieg. Österreich hat sich ebenso qualifiziert und gewann im ersten Spiel am 17. Juni 2026 3:1 gegen Jordanien. Groß-Events wie diese regen nicht nur Fans und Buchmacher*innen zu Diskussionen dazu an, wer gewinnen wird, auch Wissenschafter*innen berechnen die Wahrscheinlichkeiten von Siegen. Achim Zeileis ist Statistiker an der Universität Innsbruck, Fußball-Fan und entwickelt solche Prognosen (Schrödingers Katze berichtete bereits 2016 dazu).
Prognosen
„Die erste Prognose haben wir 2008 anläßlich der Heim-EM in Österreich und der Schweiz erstellt. Seitdem haben wir Prognosen für alle EMs und WMs bei den Herren erstellt. Seit 2019 erstellen wir auch Vorhersagen für die Turniere bei den Frauen und machen das in einem internationalen Forschungsteam, in dem wir statistische Modelle mit Hilfe von maschinellem Lernen kombinieren.“ In der Vergangenheit lagen Achim Zeileis und seine Kolleg*innen mit ihren bisherigen Prognosen oft richtig, zum Beispiel bei der WM 2010, der EM 2012 und der Frauen-WM 2019. Dennoch geht es laut dem Experten nicht darum, dass der jeweilige Topfavorit gewinnt: „Nachdem die vorhergesagten Gewinnwahrscheinlichkeiten der Topfavoriten jeweils zwischen 15 % und 20 % liegen, ist aus statistischer Sicht nicht unbedingt zu erwarten, dass der Topfavorit gewinnt. Entscheidender für die Qualität der Prognose ist vielmehr, ob tendenziell viele von den Teams weit kommen, bei denen wir das vorhersagen.“
Spanien
Achim Zeileis und seine Kolleg*innen prognostizieren Spanien die besten Chancen für einen Sieg bei der Fußball-WM 2026. Die Wahrscheinlichkeit, dass die spanische Mannschaft den Pokal nach Hause nimmt, liegen gemäß den statistischen Berechnungen bei 14,5 %. Danach folgen England (12,4 %), Frankreich (12,4 %) und Deutschland (11,2 %) und – leicht abgesetzt – Portugal (8,9 %) und Argentinien (8,2 %) sowie die Niederlande (5,6 %) und Brasilien (4,7 %). Österreich hat eine sehr gute Chance (81,2 %) das Sechzehntelfinale zu erreichen. „Dort besteht dann aber eine große Chance auf den Topfavoriten Spanien zu treffen, den man dann aber nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 22,4 % besiegen könnte. Die Wahrscheinlichkeit auf den WM-Titel für Österreich liegt bei 0,7 %.“
Wahrscheinlichkeiten
Um solche Wahrscheinlichkeiten zu berechnen, arbeitet man mit Machine Learning und Algorithmen: Im ersten Schritt werden statistische Modelle und das Wissen von Expert*innen, Buchmacher*innen und Daten von Transfermärkten kombiniert, um die Stärken aller Teams zu ermitteln. „Im zweiten Schritt entscheidet ein Algorithmus für maschinelles Lernen, wie die Stärkeeinschätzungen am besten mit weiteren Informationen über die Teams verknüpft werden“, erklärt der Statistiker „Daraus erhalten wir eine Vorhersage der mittleren Tore für beide Teams in jedem der möglichen Spiele des gesamten Turniers. Damit ist gemeint, wie viele Tore jedes der beiden Teams im Mittel schießen würde, wenn sie immer wieder gegeneinander antreten würden. Auf dieser Basis können wir dann die ganze WM am Computer simulieren.“
Daten
Die Wissenschafterinnen verwenden Daten aus unterschiedlichen Quellen, wie zum Beispiel Daten zu den Länderspielen der letzten acht Jahre, Wettquoten, Ratings der Spielerinnen auf Basis ihrer Leistungen auf Club- und Nationalmannschaftsebene. Zudem beziehen die Wissenschafterinnen die erwarteten Marktwerte aller Spielerinnen von transfermarkt.de. Zudem werden Kennzahlen für jedes Team – wie die Anzahl der Champions-League-Spieler oder das FIFA-Ranking des Teams – berücksichtigt. „Alle Daten sind frei im Netz verfügbar. Der größte Aufwand ist, alle Informationen zeitnah zusammen zu tragen, wenn die finalen Kader aller Teams feststehen“, so Achim Zeileis. Ob die Prognosen stimmen, wird sich spätestens am 19. Juli 2026 zeigen – da findet das Finale der WM 2026 statt.




