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Eine Cannabispflanze und ein Fläschchen Medizin
24. Januar 2022

Medizin: Zukunftshoffnung Cannabis

Von Schrödingers Katze
Medizin
Medikamente mit Cannabinoiden haben laut Mediziner*innen großes Potenzial. Das Image von Cannabis als Droge steht der Entwicklung von Arzneimitteln aber im Weg.

„Cannabis muss in die wissenschaftliche Medizin geholt werden“, sagt Tibor Harkany von der MedUni Wien. Denn für Behandlungserfolge durch Arzneimittel, die Inhaltsstoffe der Heilpflanze Cannabis sativa enthalten, gebe es viele Hinweise, so der Leiter der Abteilung für Molekulare Neurowissenschaften am Zentrum für Hirnforschung. 

Was in Österreich aber fehlt, sind laut dem Neurobiologen ausreichend Daten: Daten, die zur Entwicklung sicherer Cannabinoid-basierter Medikamente notwendig sind. Um das zu ändern, fasste Harkany mit seinem Forschungsteam das „enorme therapeutische Potenzial“ des medizinischen Gebrauchs von Cannabis in einem Artikel im Fachmagazin „Science“ zusammen. 

Schmerzlindernd und angstlösend

Cannabidiol, bekannt als CBD, wird demnach eine schmerzlindernde, angstlösende und antiepileptische Wirkung zugeschrieben. In Österreich sind CBD-haltige Medikamente bereits zur Behandlung von Multipler Sklerose und Spasmen sowie zur Therapie von bestimmten genetischen Epilepsieformen zugelassen. 

Bei Epilepsie und in der Schmerztherapie könnten Arzneimitteln mit Cannabis sogar als Haupttherapie funktionieren. Tests gibt es zudem zu deren Einsatz im Rahmen von Krebstherapien. Und auch bei vielen Entzündungskrankheiten kommen sie in Frage. 

„Cannabis ist keine Wunderpflanze“

Ein „schwieriger gesellschaftspolitischer Diskurs“ um Cannabis hemmt laut Harkany aber den Fortschritt in der Forschung: Einerseits stehe die Gefahr des Missbrauchs von Cannabis als Droge permanent im Raum, und andererseits herrsche aktuell ein Trend mit großer Nachfrage nach im Handel frei erhältlichen Produkten mit Cannabinoiden – „ein widersprüchliches Phänomen“.

„Wir wissen, dass Cannabis bei vielen Krankheiten eingesetzt werden könnte und zum Teil kennen wir auch die Wirkweise. Aber durch diese vielen Produkte entsteht auch der Eindruck, es hilft bei allem und nichts.“ Cannabis sei keine Wunderpflanze, sondern sehr spezifisch einsetzbar – und dazu brauche es dringend evidenzbasierte klinische Studien.

„Es gibt noch Widerstand“

Welche Rolle Medikamente mit dem Inhaltsstoff Cannabis in der Zukunft in der Medizin spielen werden, hängt laut Harkany davon ab, wie sie von den Fachkräften im Gesundheitswesen akzeptiert werden. Im Moment gibt es zwar noch vielerorts Widerstand, der Neurobiologe ist aber zuversichtlich, dass sich dies durch „klare Hinweise zur Verwendung und einer genauen Beschreibung der Vorteile und Risiken“ im Laufe der Zeit ändern wird. 

Neurobiologe Tibor Harkany
 Tibor Harkany ist Neurobiologe und Leiter der Abteilung für Molekulare Neurowissenschaften am Zentrum für Hirnforschung der MedUni Wien. © MedUni Wien

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