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23. August 2019

Trauma und Verarbeitung

Von Schrödingers Katze
Psyche
Wer ein Trauma erleidet, muss unter Umständen noch lange mit den psychischen Konsequenzen leben. Neue Forschungsergebnisse geben Einblick in die Gründe für eine posttraumatische Belastungsstörung.

Es kommt wie aus dem nichts. Plötzlich plagen einen Bilder einer traumatischen Erfahrung, die bereits einen gewissen Zeitraum zurückliegt. Eine Studie der Uni Salzburg hat die Hintergründe dieser „Flashbacks“ untersucht.

Wie ein Trauma entsteht

Unliebsame Erinnerungen an traumatische Erlebnisse sind für Betroffene eine große Belastung. Die sogenannten Intrusionen rühren daher, dass Traumata also so negativ wahrgenommen werden, dass das Gehirn sie nicht verarbeiten kann. Der Kontext des Erlebten wird nicht abgespeichert, jedoch die starken Emotionen, die damit einhergegangen sind.

Dass die Erinnerungen später als Intrusionen wiederkommen, ist also eine Folge fehlender Verarbeitung durch das Gehirn. Geholfen werden kann Betroffenen mit einer Therapie, in der sie sich mit dem Erlebten auseinandersetzen und das Trauma so kontextbezogen verarbeiten können.

Autounfälle sind häufig Gründe für ein Trauma.

Frauen eher betroffen

Nicht alle von Traumata oder sogenannten aversiven Erlebnissen betroffenen erleben später Flashbacks. Bei wem das Risiko höher ist, haben WissenschaftlerInnen der Uni Salzburg erforscht. Julina Rattel hat die Studie durchgeführt. Dafür wurde den Probandinnen Videoclips aus dem Thriller „127 Hours“ gezeigt, um eine Art Trauma hervorzurufen. In den darauffolgenden Tagen dokumentierten die Teilnehmerinnen auftauchende Intrusionen, die mit den gesehenen Filmszenen zusammenhängen.

Dabei zeigte sich, dass vor allem jene zu Intrusionen neigen, die in der Vergangenheit bereits fünf oder mehr aversive Erlebnisse hatten. „Wir haben festgestellt, dass der sogenannte Tipping Point bei fünf negativen Erlebnissen in der Vergangenheit liegt”, sagt Julina Rattel, die Leiterin der Studie. Ein weiterer Risikofaktor sei das Geschlecht der Betroffenen. Frauen neigen eher zur Entwicklung von Traumata als Männer, weshalb für diese Studie auch nur Frauen untersucht wurden.

Tiefsitzende Traumata stammen oft aus der Kindheit.

Trauma aus der Kindheit

Schon lange ist bekannt, dass Traumata, die in der Kindheit erlebt werden, besonders tief sitzen und selbst noch im Erwachsenenalter zu Intrusionen führen können. „Frühkindliche traumatische Ereignisse sind ein starker Vulnerabilitätsfaktor”, bestätigt Rattel.

Gründe für ein Trauma im Kindheitsalter sind unterschiedlich. Es kann sowohl sexueller Missbrauch als auch die Scheidung der Eltern für ein Kind ein hoch traumatisches Erlebnis darstellen. Da traumatische Erfahrungen in der Kindheit häufig unentdeckt bleiben, beispielsweise wiederholter sexueller Missbrauch durch eine dem Kind nahestehende Person, oder unterschätzt werden, wie etwa die Scheidung der Eltern, fehlt Kindern oftmals eine angemessene psychotherapeutische Betreuung. „Es ist somit aus meiner Sicht eine gesellschaftliche Herausforderung, mehr Bewusstsein zu schaffen“, so Rattel.

https://www.uni-salzburg.at/index.php?id=52519&newsid=16387&f=25

Julina Rattel, M.Sc. vom Fachbereich Psychologie der Uni Salzburg. Foto: Andreas Kolarik.

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