In den letzten 50 Jahren haben Impfungen mindestens 154 Millionen Menschenleben gerettet – das war das Ergebnis einer 2024 erschienenen Studie, die im Journal „The Lancet“ publiziert wurde. Der Erfolg von Impfungen ist wissenschaftlich unumstritten, dennoch bleiben Impfungen für manche ein kontroverses Thema. „Zum Thema Impfungen kursieren viele Falschinformationen und Verschwörungstheorien. Aufgrund des Erfolgs von hohen Impfquoten sind Krankheiten, die durch Impfungen vermieden werden können, seltener geworden. Dadurch wird die Gefahr vor den entsprechenden Erkrankungen oft deutlich unterschätzt, wohingegen das Risiko von Nebenwirkungen von Impfungen oft überschätzt wird“, erklärt Alina Schneider. Sie ist Psychologin an der Universität Wien und befasste sich kürzlich im Rahmen einer Studie damit, wie sich die Kommunikation zu Impfungen auf die Impfbereitschaft auswirkt.
Änderung der Kommunikation
Das Ergebnis der Studie ist eindeutig: Die Kommunikation zu Impfungen– etwa von Gesundheitsbehörden – hat Auswirkungen darauf, ob Menschen bereit sind, sich impfen zu lassen. Die Wissenschafter*innen griffen dabei auf eine reale Situation zurück: So hat die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) ihre Kommunikation im November 2025 geändert; diese betont nun, dass ein Zusammenhang von Impfungen und Autismus nicht ausgeschlossen werden kann – obwohl es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt, dass Impfungen mit Autismus im Zusammenhang stehen.
Bereitschaft, sich impfen zu lassen
Alina Schneider und ihre Kolleg*innen teilten bei ihrer Online-Studie die Teilnehmer*innen – 2.989 Erwachsene aus den USA – in verschiedene Gruppen ein und gaben ihnen unterschiedliche Versionen der von der Gesundheitsbehörde CDC veröffentlichten Website zu lesen. Anschließend stellten sie den Teilnehmer*innen dieselben Fragen hinsichtlich ihrer Einstellungen zu Impfungen. „Unsere Ergebnisse zeigen klar: Wer die abgeänderten Informationen las, in denen die Unsicherheit im Vordergrund steht, hielt Nebenwirkungen von Impfungen für wahrscheinlicher, hatte mehr Bedenken hinsichtlich der Impfsicherheit und zeigte eine geringere Bereitschaft, sich impfen zu lassen“, erklärt Alina Schneider.
Auswirkungen für die Gesellschaft
Fehlinformationen zu Impfungen können grundsätzlich in jedem Land ein Problem darstellen, betont Alina Schneider. Dazu bräuchte es noch mehr Forschung: „Es wäre durchaus interessant und lohnend zu untersuchen, ob und wie sich die veränderten Informationen einer so großen und prominenten Gesundheitsbehörde wie der CDC auf die Wahrnehmung und Bereitschaft für Impfungen international auswirken.“ Eine gesteigerte Impfskepsis könne laut der Psychologin nämlich zahlreiche Auswirkungen haben. Sie kann zu verminderter Impfbereitschaft führen und das ist mit der öffentlichen Gesundheit verbunden: „Ein Rückgang in der Impfquote erhöht das Risiko von Erkrankungen, die ansonsten vermeidbar gewesen wären, was sowohl gesellschaftliche als auch finanzielle Kosten mit sich bringt.“
Glaube an Behörden und Medien
Darüber hinaus ist es problematisch, wenn immer mehr Menschen Behörden oder auch Medien weniger Glauben schenken. Alina Schneider: „Wichtig ist, dass staatliche Gesundheitsbehörden verlässlich entsprechend dem wissenschaftlichen Konsens kommunizieren. Wir sehen in unserer Studie, was passiert, wenn eine Behörde Unsicherheit bei Themen verbreitet, die wissenschaftlich weitgehend geklärt sind: Das Vertrauen in die Behörde sinkt. Besorgniserregend ist, dass dies nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf die Einstellung gegenüber Impfstoffen hat, sondern auch wissenschaftsfeindliche Tendenzen begünstigt. Das kann weitreichende Konsequenzen für eine Demokratie haben, beispielsweise im Umgang mit zukünftigen Gesundheitskrisen.“




