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11. März 2026

Zufrieden ohne Trauschein

Von Schrödingers Katze
Gesellschaft
Wenn Menschen über 50 eine Beziehung eingehen und zusammenziehen, ist das für sie ausreichend zufriedenstellend – eine Ehe macht nicht glücklicher.

Verliebt, verlobt, verheiratet: Diese klassische Abfolge romantischer Beziehungen muss nicht immer sein – und sie macht nicht unbedingt glücklicher. Dies zeigt eine neue an der Universität Wien durchgeführte Studie. Iris Wahring vom Instititut für Psychologie der Entwicklung und Bildung fokussierte im Rahmen einer Untersuchung auf Langzeitdaten von Menschen über 50 und wie sich bestimmte Beziehungsereignisse – wie Zusammenziehen, Heirat und Trennung – auf deren Zufriedenheit auswirken. Dazu werteten sie und ihre Kolleg*innen Langzeitdaten von 2.840 Teilnehmenden der US-amerikanischen „Health and Retirement Study“ im Alter zwischen 50 und 95 Jahren aus. 

Entwicklung der Zufriedenheit

Die Teilnehmenden wurden dabei alle zwei Jahre gefragt, wie zufrieden sie auf einer Skala von eins bis fünf mit ihrem Leben sind. Iris Wahring und ihre Kolleg*innen betrachten danach die Entwicklung der Zufriedenheit, ob diese stieg oder sank – etwa nach einer Trennung oder einer Hochzeit. „Dabei haben wir Personen, die ein bestimmtes Beziehungsereignis erlebten, auch mit Personen mit ähnlicher Ausgangssituation verglichen, die es nicht erlebten. Beispielsweise haben wir Personen, die sich trennten, mit Personen verglichen, die konstant in einer Beziehung blieben. So konnten wir sichergehen, dass eventuelle Änderungen in der Lebenszufriedenheit wirklich mit dem Beziehungsereignis zusammenhängen“, so die Forscherin. Das Ergebnis: Während sich ein gemeinsamer Haushalt sehr wohl positiv auf die Zufriedenheit der Paare auswirkte, hatte eine Ehe für Paare, die bereits zusammenlebten, keine weitere Vorteile für deren Zufriedenheit. 

Vorteile von sozialen Beziehungen

Die Psychologin erklärt, warum uns Beziehungen glücklich machen: „Ein Partner oder eine Partnerin ist oft die nächste emotionale Bezugsperson, also die erste Person, mit der wir darüber sprechen, was uns gerade beschäftigt. Partnerschaften bieten außerdem Wertschätzung und Zuneigung. Oft ist der Partner oder die Partnerin auch Gefährte/Gefährtin bei Freizeitaktivitäten. Durch all diese Faktoren können Partnerschaften zu unserer Lebenszufriedenheit beitragen.“ Zudem spielen gesellschaftliche Erwartungen sowie die Stigmatisierung von Singles eine Rolle, warum viele Menschen gerne eine romantische Beziehung eingehen. Dennoch betont Iris Wahring, dass Singles ebenso von einer hohen Lebenszufriedenheit berichten, denn all die glücklich machenden Faktoren, die man in einer Partnerschaft erlebt, kann man auch in einer anderen sozialen Beziehung erleben, zum Beispiel in Freundschaften. „Es muss also nicht zwangsweise eine Partnerschaft sein. Enge soziale Beziehungen zu haben ist einfach wichtig für die Lebenszufriedenheit.“

Hochzeiten

Warum vermutete man dennoch, dass eine Ehe zusätzliche Zufriedenheit bringt? Dazu sagt die Psychologin: „Wir haben vermutet, dass die Beziehung durch diesen Schritt noch einmal mehr intensiviert wird. Die Ehe ist ja auch eine Art Zusicherung, dass der Partner oder die Partnerin langfristig mit jemanden zusammenbleiben möchte. Unsere Ergebnisse deuten aber daraufhin, dass sich das nicht auf die Lebenszufriedenheit auswirkt – während frühere Untersuchungen einen Bonus-Effekt der Ehe fürs Wohlbefinden zeigten, gab es in unserer Untersuchung nur einen positiven Effekt durch das Zusammenziehen bzw. Zusammenkommen.“ Die Ehe war lange an sich eine unromantische Institution, es ging eher darum (vor allem für Frauen), finanziell abgesichert zu sein sowie wirtschaftliche und rechtliche Absicherung für Nachkommen zu garantieren. Zudem wurden unverheiratete Paare stigmatisiert: „Unverheiratete Paare galten als Risiko, da sie nach früheren Ansichten ohne den rechtlichen Rahmen der Ehe die finanzielle Verantwortung für Kinder und Alter auf die Allgemeinheit hätten abwälzen können. Die Bedeutung der Ehe hat sich also geändert, heute ist sie eher eine Option, kein Muss mehr, um gesellschaftlich akzeptiert in einer Partnerschaft zusammenzuleben.“

Trennungen

Darüber hinaus fand Iris Wahring und ihre Kolleg*innen heraus, dass Trennung in der Altersgruppe der 50+-Jährigen die jeweiligen Personen weniger negativ beeinflussten als man annehmen könnte. Die Forscher*innen vermuten, dass ältere Menschen über gute soziale Ressourcen – wie zum Beispiel Freundschaften und Familie – verfügen, die im Falle einer Trennung bzw. generell unterstützend wirken. Zudem sind gerade Menschen über 50 meist in längeren Beziehungen, hier könnte daher eine Trennung – bei bereits länger bestehenden Problemen – positiv erlebt werden.

Psychologin Iris Wahring
Die Psychologin Iris Wahring ist an der Universität Wien tätig. © Iris Wahring

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