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Giraffen und Zebras in einem Zoo.
9. Januar 2026

Wie sollten Zoos gestaltet sein?

Von Schrödingers Katze
Natur & Umwelt
Zoos sind beliebt, aber auch umstritten. Wie eine artgerechte Tierhaltung aussehen kann, erforscht man auch an der Universität Wien.

Löwen, Elefanten, Affen – ein Besuch im Zoo ist vor allem für kleine Besucher*innen ein Hit. Mit zunehmenden Alter fragen sich viele Menschen, wie artgerecht es ist, Tiere so zu halten. Um das wissenschaftlich zu erforschen, wurde nun die Professur „Zoo Conservation Science“ an der Universität Wien ins Leben gerufen, die Angela Stöger-Horwath innehat. „Die Haltung und Zucht von Tieren außerhalb ihres natürlichen Lebensraums, wie in Zoos, erfordert ein tiefes Verständnis ihrer biologischen, ökologischen und verhaltensbezogenen Bedürfnisse“, sagt sie. Jede Tierart hat ihre eigenen Anforderungen, die berücksichtigt werden müssen, um ihr Wohlbefinden zu gewährleisten. „Zu den grundlegenden Aspekten gehören die Schaffung naturnaher Lebensräume sowie eine artgerechte Ernährung, die den natürlichen Fressgewohnheiten entspricht.“ Zudem müssen laut der Expertin die sozialen Strukturen der Tiere berücksichtigt werden: „Viele Arten leben in komplexen sozialen Gruppen, und es ist essenziell, diese Dynamiken zu verstehen und in der Haltung nachzubilden.“ Langeweile und Routine sollten ebenso vermieden werden. So müssen gezielt Reize geschaffen werden, um die Tiere zu stimulieren, sie zu fördern und ihnen neue Erfahrungen zu bieten. Dabei kann sogar ein gewisses Maß an positivem Stress förderlich sein, schließlich sollen die gezielten Reize nicht nur die kognitive Leistungsfähigkeit der Tiere erhalten, sondern auch deren Verhaltensflexibilität fördern. „Dies ist besonders wichtig, wenn man bedenkt, dass einige Tiere möglicherweise auf eine spätere Auswilderung vorbereitet werden. Zudem kann diese Art der Stimulation das Immunsystem anregen und stärken und so langfristig zur Gesundheit und zum Wohlbefinden der Tiere beitragen.“

Kritik an Zoos

Die Zoologin Angela Stöger-Horwath findet es nachvollziehbar, Zoos kritisch zu betrachten – jedoch sollte diese Kritik konstruktiv sein. Sie erinnert zudem daran, dass Zoo nicht gleich Zoo bedeutet. So gibt es moderne, wissenschaftlich geführte Zoos, die Forschung betreiben, die dem Artenschutz zugutekommt und es gibt Einrichtungen, die ihrer Meinung nach besser geschlossen werden sollten. „Moderne Tierhaltung erfordert viel Know-how, muss wissenschaftlich fundiert sein und ist mit hohen Kosten verbunden. Ich bin der Meinung, dass nicht jeder kleine Zoo Elefanten oder Raubtiere halten sollte, wenn die Ressourcen nicht verfügbar sind. Selbst in den besten Zoos gibt es immer Raum für Verbesserungen. Daher ist Kritik an Zoos wichtig und sollte von diesen auch ernst genommen werden.“

Vorteile von Zoos

Zoos sind grundsätzlich aber nötig:„Wir befinden uns inmitten einer dramatischen Biodiversitätskrise – täglich verlieren wir Arten. Vom Elefanten bis zum Wolf in Österreich: Tieren geht zunehmend der Lebensraum verloren. Ein oft gehörter Satz in zookritischen Foren lautet: ‚Nur die Freiheit ist artgerecht’, doch ich frage mich, von welcher Freiheit hier die Rede ist.“ Die Expertin erinnert daran, dass viele Wildtiere – wie Elefanten, Tiger oder Luchse – ihren Lebensraum verlieren und immer weniger Möglichkeiten haben, zu wandern, ohne auf Menschen zu treffen; Das führt zu Konflikten und die Gefahr, dass die Tiere abgeschossen werden, steigt. Zudem sind sie von Wilderei, dem Klimawandel und weiteren Bedrohungen betroffen. Daher spielen Zoos eine bedeutende Rolle für den Artenschutz. „Ohne Zoos wären viele Arten – von Fischen bis zu Säugetieren – bereits ausgestorben. Zoos betreiben nicht nur Zuchtprogramme, sondern leisten auch wichtige Bildungsarbeit und tragen durch Forschung zum Schutz wild lebender Tiere bei.“ Viele Erkenntnisse über Wildtiere wurden und werden in Zoos gewonnen, Angela Stöger-Horwath selbst forschte etwa dazu, wie Elefanten Infraschalllaute wahrnehmen – und dies tat sie auch in einem Zoo. 

Biodiversitätskrise

Zoos nicht die einzige Lösung für die Biodiversitätskrise, sie können laut der Expertin aber ein wichtiger Baustein sein, um Arten zu schützen, Forschung zu betreiben und die Öffentlichkeit für den Schutz der Natur zu sensibilisieren. In Zoos können Reservepopulationen aufgebaut und erhalten werden, das sind gezüchtete Tiergruppen, die in menschlicher Obhut leben. „Diese Populationen dienen als genetische Sicherheitsnetze und können, sobald geeignete Lebensräume geschaffen oder wiederhergestellt wurden, in die Wildnis ausgewildert werden.“ In Europa und in Österreich wurden zahlreiche lange als ausgestorbene Tierarten so wieder angesiedelt, wie zum Beispiel das Europäische Wisent, der Bartgeier, der Waldrapp, der Habichtskauz, der Alpensteinbock und der Europäische Luchs. „Ein weiteres Problem, das Zoos adressieren können, ist die zuvor schon angesprochene Lebensraumfragmentierung: Sie verhindert den genetischer Austausch, was die Populationen schwächt und sie anfälliger für veränderte Umweltbedingungen oder Krankheiten macht. Zoos können hier durch gezielte Zuchtprogramme und die Auswilderung genetisch diverser Individuen helfen, die genetische Vielfalt zu erhalten und Wildpopulationen zu stärken“, so die Expertin.

Beitrag der Gesellschaft

„Gleichzeitig müssen sich Zoos weiterentwickeln und wir als Gesellschaft müssen uns fragen, ob wir bereit sind, den Artenschutz aktiv zu unterstützen“, sagt die Zoologin. Dazu zählt auch, die natürlichen Lebensräume der Tiere zu erhalten und zu schützen: Ohne intakte Ökosysteme haben viele Arten nämlich langfristig keine Überlebenschance, daher ist es wichtig, bestehende Lebensräume zu bewahren und zerstörte Ökosysteme – wie Wälder, Feuchtgebiete oder Korallenriffe – wiederherzustellen. Dazu müssen wir Umweltzerstörung und Verschmutzung in den Griff bekommen und die Ressourcen nachhaltig nutzen. Die Einhaltung der Klimaziele ist ein weiterer wichtiger Punkt: „Der Klimawandel ist eine der größten Bedrohungen für die Biodiversität. Steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und Extremwetterereignisse zerstören Lebensräume und bringen viele Arten an ihre Belastungsgrenzen. Es ist unerlässlich, dass wir als Gesellschaft daran arbeiten, die Erderwärmung zu begrenzen.“ Zudem braucht es Aufklärung und eine Sensibilisierung der Bevölkerung „Der Schutz bedrohter Arten erfordert nicht nur die Arbeit von Zoos, sondern auch den Erhalt und die Wiederherstellung von Lebensräumen, die Bekämpfung von Umweltzerstörung und die Einhaltung der Klimaziele. Es liegt an uns allen, Verantwortung zu übernehmen und aktiv zum Schutz der Biodiversität beizutragen.“

v.l.n.r.: Rektor Sebastian Schütze, Karl-Heinz Wagner, Dekan der Fakultät für Lebenswissenschaften, Zoologin und Professorin Angela Stöger-Horwath und Tiergartendirektor Stephan Hering-Hagenbeck.
v.l.n.r.: Rektor Sebastian Schütze, Karl-Heinz Wagner, Dekan der Fakultät für Lebenswissenschaften, Zoologin und Professorin Angela Stöger-Horwath und Tiergartendirektor Stephan Hering-Hagenbeck. © Daniel Zupanc
Zoologin Angela Stöger-Horwarth und ein Elefant.
Die Zoologin Angela Stöger-Horwarth forscht mitunter dazu, wie Elefanten Infraschalllaute wahrnehmen. © Gunnar Heilmann

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