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4. Februar 2026

Wie viel Mikroplastik ist in der Atmosphäre?

Von Schrödingers Katze
Natur & Umwelt
Eine neue Studie zeigt, dass die Belastung durch Mikroplastik in der Atmosphäre über Land 20-mal höher als über dem Ozean ist.

Sie entstehen aus unterschiedlichen Kunststoffarten wie Polyethylen (PE), Polyamid (PA) oder Polyurethan (PU), sie sind in unserer Kleidung enthalten oder in Verpackungen und gelangen etwa durch Reifenabrieb in die Umwelt. Die Rede ist von Mikroplastik, also Plastikteilchen zwischen einem Mikrometer und fünf Millimeter Größe. Sie gelten als potenziell gesundheitsgefährdend sowie schädlich für die Umwelt, wobei es noch mehr Forschung braucht, um endgültige Aussagen dazu zu treffen. „Es herrscht auf jede Fall Unklarheit bei den Mengen, ab wann ‚Gefahr‘ besteht. Vermutlich sind auch kleinste Mengen schädlich, aber das gilt für viele Substanzen, und dann stellt sich die Frage was ‚akzeptabel‘ ist, und was nicht“, erklärt Andreas Stohl. Er ist Vizedekan der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie sowie Mitglied des interdisziplinären Forschungsverbunds Umwelt und Klima der Universität Wien. Um genauer zu erfahren, wie viel Mikroplastik in unserer Umwelt existiert, damit befasste sich Andreas Stohl mit seinen Kolleg*innen.

Schlechte Datenlage

Das Problem dabei: Die Datenlage ist sehr schlecht: „Es gibt keine standardisierten Messverfahren für Mikroplastik. Das macht es uns als Forscher*innen sehr schwer, denn wir müssen sehr selektiv vorgehen, um repräsentative Messungen auszuwählen, wo zum Beispiel genug Information über die gemessenen Partikelgrößen vorhanden sind.“ In der aktuellen Studie, die im Journal Nature veröffentlicht wurde, verglichen Andreas Stohl, Ioanna Evangelou und Silvia Bucci 2.782 global verteilte Einzelmessungen von Mikroplastik in der Atmosphäre mit Simulationen eines Transportmodells, die drei verschiedene Emissionsabschätzungen verwendeten. Transportmodelle simulieren den Transport in die Atmosphäre. Sie können zur Vorhersage – etwa von Wüstenstaub-Ereignissen – oder eben zur Analyse verwendet werden.

Mehr Mikroplastik am Land

Das Ergebnis: Die Anzahl der am Land emittierten Partikel muss stark nach unten korrigiert werden, ebenso wurden die ozeanischen Emissionen bisher überschätzt. Dennoch ist die Belastung durch Mikropartikel am Land 20-mal höher als über dem Ozean. Andreas Stohl sagt, dass es bisher nur ganz wenige Abschätzungen der globalen Mikroplastik-Emissonen gab, die alle mit sehr großen Unsicherheiten verbunden waren. „Zwei Abschätzungen stützten sich zum Beispiel nur auf Messungen, die im Yellowstone-Nationalpark in den USA gemacht wurden. Daraus wurden dann Emissionen auch für den Ozean und andere Gegenden abgeschätzt, für die diese Messungen schlicht nicht repräsentativ sind. Insofern ist es nicht so überraschend, dass wir mit dem deutlich größeren Datensatz zu anderen Ergebnissen kommen.“ Weiters betont der Forscher, dass in dieser Studie nur Mikroplastik im Fokus stand, Nanoplastik – also extrem kleine Partikel mit einer Größe von einem Nanometer bis einem Mikrometer – wurden nicht berücksichtigt. Zu Nanoplastik gibt es laut Andreas Stohl noch weniger Daten als zu Mikroplastik.

Land- und Ozeanbelastung

Mikroplastik ist 20-mal mehr am Land als über dem Ozean verbreitet, weil es am Land viel mehr primäre Quellen – wie Reifenabrieb oder Textilfasern – dafür gibt, erklärt Andreas Stohl weiters; zudem wird auch abgelagertes Mikroplastik durch Luftströmungen wieder aufgewirbelt. „Der Ozean enthält inzwischen auch sehr viel Mikroplastik, aber natürlich gelangt davon auch immer nur ein kleiner Teil in die Atmosphäre“, so der Forscher. 

Mikroplastik vermeiden

Recycling wäre ein wichtiger Ansatz, um Mikroplastik zu verringern, auch die Plastikproduktion an sich sollte limitiert werden. Die Einschränkung des Konsums von Fast Fashion wäre für Privatpersonen ein wichtiger Schritt, auch der Griff zu Glas- statt Plastikflaschen. Dennoch betont der Experte, dass es nicht sinnvoll und auch unrealistisch ist, Plastik, von dem es zudem sehr viele Arten gibt, generell zu verbieten. Es braucht auf jeden Fall mehr Forschung zu Plastik und dessen Auswirkungen und zu den Möglichkeiten, Plastik zu reduzieren und zu recyclen. Andreas Stohl betont, dass die Konzentration von Mikroplastik weiterhin steigen wird, selbst wenn die jährlichen Emissionen stabilisiert werden können. „Irgendwann könnten kritische Werte, die wir heute noch nicht kennen, überschritten werden.Solange wir nicht genau wissen, wie schädlich Plastik für Mensch und Umwelt tatsächlich ist, machen wir also ein großes Experiment mit ungewissem Ausgang.“

Meteorologe Andreas Stohl
Andreas Stohl ist Vizedekan der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie der Universität Wien. © Barbara Mair

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