Die Digitalisierung und damit digitale Medien haben in allen Bereichen des Bildungswesens Einzug gefunden, sind sich die Mitglieder (Michael Himmelsbach, Gabriele Schauer, Ann-Kathrin Dittrich, Josef Buchner und Ines Deibl) des Organisationskomitees der Tagung der Österreichischen Gesellschaft zur Förderung und Entwicklung im Bildungswesen (ÖFEB) „Lernen und Lehren im digitalen Zeitalter“ sicher. Digitale Prozesse finden bei der schulischen Verwaltung und Kommunikation Anwendung (zum Beispiel das digitale Klassenbuch oder die Nutzung von Software wie Microsoft Teams). Zudem wird Lernen und Lehren digitaler: Bereits jetzt sind digitale Lernmanagement-Programme und Apps für viele Unterrichtsfächer im Einsatz, auch generative KI wird für die Gestaltung von Lerninhalten genutzt, ebenso wird die Leistungsüberprüfung digitaler. Die aktuelle Jugend-Medien-Studie für Oberösterreich 2025 ergab, dass Lehrkräfte auch YouTube für den Schulalltag nutzen, digitale Schulbücher an Bedeutung gewinnen und Tablets mit Lernapps, Whiteboards und Lernplattformen als sinnvolle Ergänzung betrachtet werden. Mit den Eltern bzw. Erziehungsberechtigten wird mittels Apps kommuniziert. Daheim verwendet jedes zweite Schulkind in Oberösterreich digitale Lernprogramme.
Einsatz
Nicht an allen Schulen bzw. für alle Altersgruppen erfolgt der Einsatz digitaler Medien im gleichen Ausmaß. Im Rahmen der Tagung stellten Christoph Helm und seine Kolleg*innen ihre Forschung zur Nutzung digitaler Medien in der Volksschule vor – hier herrscht noch Aufholbedarf in Sachen Digitalisierung: Lehrkräfte in der Volksschule setzen digitale Medien seltener ein als Lehrkräfte in mittleren und höheren Schulen. „Wichtig zu betonen ist, dass der Einsatz digitaler Medien kein Selbstzweck ist, sondern sich in didaktischen Lehr-/Lernsettings immer nach Kontextfaktoren, wie zum Beispiel den Lernzielen, dem Lerninhalt und der Lehrmethode und Überprüfung, sowie nach den Voraussetzungen der Lernenden richtet“, betonen die Expert*innen. Der Einsatz digitaler Medien muss demnach auf die Bedürfnisse der spezifischen Schüler*innen angepasst werden; diese unterscheiden sich je nach Alter, Schulart oder auch nach kognitiven und motivationalen Aspekten. Darüber hinaus hat jede Schule andere Voraussetzungen für die Nutzung digitaler Medien, auch Lehrkräfte unterscheiden sich hinsichtlich ihrer digitalen Fähigkeiten und persönlichen Überzeugungen.
Vorteile
Digitale Medien haben für Schüler*innen den Vorteil, jederzeit und ortsunabhängig verfügbar zu sein. Zudem können diese gerade im Umgang mit Diversität hilfreich sein: „Es können Schwierigkeitsgrade schneller und einfacher angepasst werden, sodass verschiedene Lernmaterialien zur Verfügung gestellt werden können. Kinder mit Beeinträchtigungen können digitale Endgeräte verwenden, um Unterstützung zu erhalten, wie etwa durch die Einstellung eines Fokus bei der Ansicht oder durch einen plastischen Reader.“ Digitale Medien ermöglichen es den Schüler*innen zudem, Feedback als Lernunterstützung zu erhalten, indem Fehler unmittelbar und mit Lösungsweg angezeigt werden. „Zusätzlich können digitale Medien als Feedback-Tool für formative Beurteilung eingesetzt werden, die Zusammenarbeit zwischen den Schüler*innen fördern und gleichzeitig die Motivation und Aktivierung erhöhen.“. Gerade für den naturwissenschaftlichen Unterricht bieten digitale Medien weitere Vorteile, wie die Darstellung von naturwissenschaftlichen Phänomenen, die sonst im Labor schwierig aufzuzeigen wären, dabei helfen Augmented Reality oder Virtual Reality.
Risiken
Es gibt aber auch Risiken, etwa bei der Nutzung Künstlicher Intelligenz: „Nicht alle Kinder und Jugendlichen haben die gleichen Chancen und die gleichen Voraussetzungen. Diese ungleichen Voraussetzungen spiegeln sich beim Zugang, der Nutzung und der Reflexion über die Verwendung von Digitalen Medien (und eben auch der KI) wider“, betonen die Expert*innen. Das fehlende Bewusstsein darüber, was KI überhaupt ist, wie KI funktioniert und dass man als Nutzer*in die Verantwortung für deren Inhalte hat, dass diese geprüft werden müssen, ist hier essentiell. Gerade Schüler*innen müssen lernen, kritisch mit KI umzugehen und deren Inhalte zu hinterfragen. Problematisch ist hier auch, dass es bisher kaum geeignete Programme gibt, die zum Beispiel Täuschungen und Plagiate identifizieren können. Fragen des Datenschutzes, des Urheberrechts und der Umgang mit sensiblen Daten sind ebenso relevant. „Zudem gilt es, das Gehirn im Lernen zu schulen. Wenn Denkprozesse und damit einhergehend auch Fehler oder ein Scheitern von der KI abgenommen werden, können Lernmöglichkeiten verloren gehen.“ KI sollte lediglich ein Werkzeug sein. Es braucht daher transparente Regeln für den Umgang mit KI – und geschulte Lehrkräfte. Der Einsatz digitaler Medien muss gewinnbringend für den Unterricht sein, kritische Reflexion und technologische Kompetenzen sind daher gefragt.




