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Banner für die Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024
29. April 2026

Gesellschaftlicher Mehrwert der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl

Von Schrödingers Katze
Gesellschaft
Jeder Euro, der für die Kulturhauptstadt Europas 2024 Bad Ischl – Salzkammergut ausgegeben wurde, hat seinen Wert für die Gesellschaft durch diese mehr als vervierfacht.

Jährlich wählt die EU Städte als Kulturhauptstädte aus und 2024 war erstmals ein alpiner Raum Kulturhauptstadt Europas: 23 Gemeinden des Salzkammerguts wurden –  mit der Bannerstadt Bad Ischl – ausgewählt, um den ländlichen Raum als Zukunftsraum zu zeigen. In 314 Projekten ging man der Frage nach, wie sich der ländliche Raum weiterentwickeln und wie man Traditionen bewahren und zugleich mit der Moderne Schritt halten kann. Zudem standen die Natur und nachhaltiger Tourismus im Fokus. Nun war es Zeit, Bilanz zu ziehen. Ein Team der WU Wien führte im Rahmen einer Evaluation eine SROI-Analyse (Social Return on Investment) durch, um den gesellschaftlichen Mehrwert, der durch die Kulturhauptstadt Europas 2024 entstanden ist, zu eruieren.

Gesellschaftlicher Mehrwert

„Gesellschaftlicher Mehrwert ist die Summe der positiven und negativen Wirkungen der Intervention bei Stakeholdern und Wirkungsbetroffenen, die aufgrund der Intervention entstanden sind und sonst nicht entstanden wären“, erklärt Christian Grünhaus. Er ist Sozialwissenschafter und Betriebswirt sowie wissenschaftlicher Leiter und Senior Researcher des Zentrums für Nonprofit Organisationen und Social Impact der WU Wien sowie Leiter der Studie. „Stakeholder sind Anspruchsgruppen, die mit der Kulturhauptstadt verbunden sind, wie Künstler*innen oder regionale Kulturtätige Wirkungsbetroffene sind Gruppen, die nur mittelbar positive wie negative Wirkungen aufgrund der Aktivitäten der Kulturhauptstadt haben, wie beispielsweise Teile der regionalen Bevölkerung oder Tourist*innen.“ Bei einer SROI-Analyse, die für eine Kulturhauptstadt Europas 2024 erstmals durchgeführt wurde, berücksichtigt man nicht, wie finanziell rentabel Investitionen waren, sondern vielmehr welche sozialen und ökologischen Wirkungen die Investitionen hatten. Für die Kulturhauptstadt 2024 standen rund 30 Millionen Euro Budget zur Verfügung. „Finanzielle Wirkungen werden direkt in die Berechnungen übernommen, nicht-finanzielle Wirkungen werden monetarisiert, also über unterschiedliche Methoden finanziell bewertet. So können diese nicht-finanziellen Wirkungen mit den finanziellen Wirkungen verrechnet und auf die Investition bezogen werden. Das Ergebnis ist eine relationale Kennzahl, die den Rückfluss an gesellschaftlichen Mehrwert der Investition zeigt“, erklärt Studienautor Stefan Schöggl.

4,28 Euro

Christian Grünhaus und seine Kolleg*innen konnten zeigen, dass jeder investierte Euro einen gesellschaftlichen Mehrwert von 4,28 Euro schuf – der Wert für die Gesellschaft hat sich also mehr als vervierfacht. Die Forscher*innen berücksichtigten dabei fünf Stakeholder und Wirkungsbetroffene (Projektbeteiligte, regionale Bevölkerung, regionale Kulturszene, Tourist*innen, Tourismusbetriebe) und erstellten für jede dieser Gruppen ein hypothetisches Wirkungsmodell. Darunter versteht man eine Darstellung, die aufzeigt, wie spezifische Aktivitäten zu gewünschten Veränderungen und Ergebnissen führen. „In Summe flossen knapp 60 unterschiedliche Wirkungen in die darauf basierenden Berechnungen: Die Beispiele reichen von stabileren und höheren Einkommen bei Projektbeteiligten, einem geweckten und gesteigerten Interesse an Kunst und Kultur bei der regionalen Bevölkerung über negative Emotionen bei Teilen der regionalen Kulturszene bis zu Wissenszuwachs, Horizonterweiterung und Inspiration bei Tourist*innen sowie Zusatzeinnahmen in der Hotellerie.“

Regionale Bevölkerung

Bei einer SROI-Analyse geht es nicht darum, finanzielle Geldflüsse zu analysieren, sondern deren Wirkung zu messen. „Die korrekte Frage wäre also: Lässt sich sagen bei wem die finanziell bewerteten Wirkungen ankamen?“ Laut Christian Grünhaus hatte die regionale Bevölkerung den höchsten Mehrwert, gefolgt von den Projektbeteiligten, die zum Teil aus der regionalen Bevölkerung stammen, und den Tourist*innen. Dann folgten die Stakeholder-Tourismusbetriebe und die regionale Kulturszene. Die regionale Bevölkerung profitierte zum Beispiel durch ein gestärktes regionales Gemeinschaftsgefühl, ein gesteigertes Interesse an Kunst und Kultur, ein gestärktes Bewusstsein für europäische Werte, einem vereinfachten Zugang zu zeitgenössischer Kunst und durch die gesteigerte Attraktivität des ländlichen Raums. Wissenszuwachs, Impuls- und Raumgebung für kritische Reflexion gesellschaftsrelevanter Themen und politischen Diskurs sowie mehr Beschäftige aus der Region, verstärkte gemeindeübergreifende politische Arbeit und die Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs wirkten sich ebenso positiv aus.

Banner für Aufbruch, Salzkammergut!
Banner für das Nachfolgeprojekt „Aufbruch, Salzkammergut!“ © Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024

Zukunft der Region

Wie sich die Zukunft der Region entwickelt wird, lässt sich laut Christian Grünhaus noch schwer einschätzen: „Einerseits konnte man im Zuge der Kulturhauptstadt 2024 vieles umsetzen und Samen für die Zukunft sähen, andererseits zeigen sich manche Kulturtätige bzw. Teile der Bevölkerung enttäuscht, da ihres Erachtens zu wenig auf lokale Tradition und Brauchtum eingegangen wurde.“ Mit der neu gegründeten Nachfolgeorganisation („Aufbruch Salzkammergut!“), werden aktiv weiterhin Kulturaktivitäten in der Region vorangetrieben. „Impulse wurden also gesetzt, die sich nach einer üblichen Phase des Durchschnaufens nach so einem Großereignis, nun langsam entfalten können. Ein Rückblick in einigen Jahren wird zeigen, was übrig bleibt. Schon jetzt sieht man Fortschritte beispielsweise in der Jugendarbeit. Wir werden uns um Forschungsgelder bemühen, um diese sogenannte Legacy einzufangen“, hält Christian Grünhaus abschließend fest.

Sozialwissenschafter und Betriebswirt Christian Grünhaus
Der Sozialwissenschafter und Betriebswirt Christian Grünhaus ist an der Wirtschaftsuniversität Wien tätig. © WU


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