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24. Februar 2026

In Klimawandelanpassung investieren zahlt sich aus

Von Schrödingers Katze
Natur & Umwelt
Der Klimawandel zwingt Länder zu Anpassungen. Das kostet zwar Geld, aber diese Kosten rentieren sich.

Dürre, Wassermangel, Ernteausfälle, Naturkatastrophen und ein extremeres Klima, das uns Menschen schadet: Der Klimawandel verursacht ein Umdenken – und die Frage, welche finanziellen Mittel aufgebracht werden müssen, um sich für diese Begebenheiten besser zu rüsten. Österreich investiert jährlich rund 600 Millionen Euro in die Klimawandelanpassung. „Ein großer Teil dieser Mittel fließt in grüne bzw. ökosystembasierte Maßnahmen, insbesondere in der Landwirtschaft, etwa zur Förderung klimaresilienter Pflanzen- und Kulturarten. Ebenfalls bedeutend sind Infrastruktur-Maßnahmen im Bereich Wasser- und Forstwirtschaft, darunter Hochwasserschutzbauten sowie Wildbach- und Lawinenverbauungen in Bergregionen“, erklärt Eva Preinfalk. Die Ökonomin ist am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel tätig. Gemeinsam mit Kolleg*innen hat sie nun eine Studie über Investitionen in die Klimawandelanpassung veröffentlicht.  

„Angesichts zunehmender Risiken durch Waldbrände, Stürme und Schädlingsbefall gewinnen auch Anpassungsmaßnahmen im Forstsektor – wie die Aufforstung von Schutzwäldern und die Umstellung auf widerstandsfähigere Baumarten – an Bedeutung. Ergänzend sollen Maßnahmen wie Monitoring-, Frühwarnsysteme und Gefahrenzonenpläne, die das Risikobewusstsein stärken und künftig weiter ausgebaut werden sollen“, führt die Expertin aus.

Katastrophen und Transferzahlungen

Im Fall einer Naturkatastrophe – wie etwa das Hochwasser in Österreich 2024 – können enorme Schäden im Bereich der öffentlichen und privaten Infrastruktur sowie Verluste in der Land- und Forstwirtschaft entstehen. „Zu diesen Schäden kommen die Kosten für den Wiederaufbau – diese werden häufig von öffentlicher Hand übernommen. Der Katstrophenfonds, der durch Steuereinnahmen dotiert ist, ist zum Beispiel wesentlich bei der Entschädigung nach Hochwasserkatastrophen wie im September 2024“, so Eva Preinfalk. Auch Transferzahlungen – die Länder bei der Nicht-Einhaltung der Klimaziele zu entrichten haben, sind wirtschaftlich belastend. „Es stellt sich die Frage, ob wir es uns wirklich leisten wollen, solche Zahlungen zu tätigen, anstatt  in klimaresiliente Infrastruktur zu investieren“, betont die Expertin.

Verschiedene Finanzierungsformen

Inwiefern sich Investitionen in den Klimaswandelanpassung bezahlt machen, dazu haben Eva Preinfalk und ihre Kolleg*innen nun geforscht. Dabei untersuchten sie verschiedene Finanzierungsmodelle aus Österreich, Spanien und den Niederlanden. „Wir unterscheiden zwischen zwei zentralen Ansätzen der Finanzierung: Die Finanzierung über die Umschichtung bestehender öffentlicher Budgets sowie die Finanzierung über staatliche Anleihen, etwa vergleichbar mit dem bereits bestehenden Österreichischen Bundesschatz„, erklärt die Ökonomin. Mit dem Bundesschatz kann man direkt beim Staat Österreich investieren, man leiht also der Republik Österreich Geld – und erhält dafür Zinsen. Beide Möglichkeiten haben jeweils Vorteile, wie Eva Preinfalk erklärt: Bei Budgetumschichtungen entsteht zwar keine zusätzliche Staatsverschuldung, jedoch muss Geld aus anderen Bereichen abgezogen werden. Bei der Finanzierung über Staatsanleihen erhöht sich der öffentliche Konsum um die Anpassungsausgaben, auf Kosten einer höheren Staatsschuld. „Unabhängig vom gewählten Finanzierungsweg übersteigen die langfristigen gesamtwirtschaftlichenNutzen die Kosten deutlich. Mit anderen Worten: Klimawandelanpassung zahlt sich volkswirtschaftlich aus.“

Investitionen lohnen sich

Die Folgen des Klimawandels – wie Überschwemmungen, Hitzewellen oder Dürreperioden – treffen zunächst nur einzelne Sektoren, wie zum Beispiel den Verkehrs-, Landwirtschafts- oder Forstsektor, erklärt die Ökonomin. Kommt es dort jedoch zu Schäden oder Ernteausfällen, wirken sich diese rasch auf nachgelagerte Bereiche wie die Lebensmittel- oder Holzindustrie aus. Da verschiedene Produktionssektoren eng miteinander vernetzt sind, setzen sich etwaige Verluste entlang der gesamten Wertschöpfungskette fort und schlagen sich letztlich im Bruttoinlandsprodukt nieder. Dadurch sinkt auch die Steuerbasis und somit die öffentlichen Einnahmen. „Investitionen in Schutz- und Anpassungsmaßnahmen lohnen sich daher besonders in diesen stark vernetzten und klimaanfälligen Bereichen, da sie nicht nur direkte Schäden vermeiden, sondern gesamtwirtschaftliche Folgekosten reduzieren. Indirekt betrifft das somit die gesamte Volkswirtschaft“, so Eva Preinfalk. Die Anpassungen an den Klimawandel müssen dabei nicht zwangsläufig teuer sein: Gezielte Maßnahmen in der Planung von Neubauten, bei der Sanierung bestehender Infrastruktur oder in der Land- und Forstwirtschaft oder auch verstärkte Informationskampagnen stellen wichtige Schritte dar.

Ökonomin Eva Preinfalk
Die Ökonomin Eva Preinfalk ist an der Universität Graz tätig. © privat

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