Schrödingers Katze Schrödingers Katze

Der österreichische Wissenschaftsblog
43.000+ Fans

Verschiedene Tabletten fallen aus einer Dose.
21. August 2026

Neues Enzym für Medikamentenherstellung

Von Schrödingers Katze
Naturwissenschaft
Stabile Verbindungen zwischen Kohlenstoff-Atomen ermöglichen die Produktion von Medikamenten. Ein neues Enzym kann hier helfen.

Eine wässrige Lösung und Temperaturen um die 30 Grad – das sind die einzig beiden Voraussetzungen, die es braucht, um das an der Universität Graz neu entdeckte Enzym zu verwenden. Enzyme sind Eiweißmoleküle, die chemische Reaktionen beschleunigen, sie selbst werden dabei nicht verbraucht. Sie haben unterschiedliche Funktionen bei der Herstellung von Medikamenten, Desinfektions- oder Pflanzenschutzmitteln, erklärt Wolfgang Kroutil. Er ist Chemiker an der Universität Graz und betreute das Dissertationsprojekt von Lilla Gal, die das Enzym ausfindig machte. „Die organischen Verbindungen bestehen aus einem Kohlenstoffgrundgerüst, die Verbindung zwischen den Kohlenstoff-Atomen muss daher stabil sein“, erklärt der Chemiker.

Biologisch abbaubares Enzym

Bisher konnte man diese hier untersuchten Kohlenstoff-Verbindungen zwar herstellen, doch wird bei diesen chemischen Methoden meist mit umweltschädlichen Stoffen (z. B. DMF, Cyanide) gearbeitet. Bei der Option, die Lilla Gal gefunden hat, ist das nicht der Fall, erklärt Wolfgang Kroutil: „Meist benötigte man organische Lösungsmittel (Ether, Chloroform oder Acetonitril) und andere unterschiedlichste Chemikalien (DMF/POCl3 oder Zn(CN)2 oder NaOH). In unserem Fall können wir das Lösungsmittel durch Wasser ersetzen, daher unsere Reaktion läuft in wässrigem Milieu. Wir benötigen einen Biokatalysator, also ein Enzym, das aus erneuernbaren Rohstoffen (Aminosäuren, Eiweiß) hergestellt wird und entsprechend auch biologisch abbaubar ist. Und natürlich ist auch eine Kohlenstoffquelle notwendig“, führt Wolfang Kroutil aus.

Bakterium und Reaktion

Das neue Enzym wird dabei von einem Bakterium produziert. In der Natur wird das Enzym hergestellt, um Pflanzen vor Krankheiten zu schützen. Über die Reaktion sagt Wolfgang Kroutil: „Die Umsetzung passiert im wässrigen Milieu (bei einem bestimmten pH) mit dem Biokatalysator, und den beiden zu verknüpfenden Molekülen, konkret sind es hier Resorcinol Derivate und ein Formylester. Der Prozess läuft im wässrigen Milieu bei 35 °C ab. Beides sind große Vorteile, da die chemischen Prozesse in organischem Lösungsmittel und häufig entweder gekühlt auf -10 °C oder weniger oder erhitzt auf über 100 °C werden. Beides benötigt viel Energie.“

Künftige mögliche Einsätze

Das neue Enzym könnte eingesetzt werden, um Pharmazeutika, Vorstufen zu Agrochemikalien und anderen Chemikalien auf eine nachhaltigere Weise herzustellen. „Neben der Nachhaltigkeit könnte es auch positive Auswirkungen auf den Preis haben, da durch das Enzym weniger Abfall (wie Lösungsmittel und Nebenprodukte) produziert wird, dadurch sollte die Produktion günstiger werden“, so Wolfang Kroutil. Lilla Gals Projekt ist Teil des europäischen Marie-Curie-Trainingsnetzwerks „BioDeCCodiNNg“, das sich damit beschäftigt, neue und umweltfreundlichere Wege zu finden, um Verknüpfungen zwischen Atomen herzustellen. 

Chemiker Wolfgang Kroutil
Wolfgang Kroutil ist an der Universität Graz tätig. © Universität Graz, Lunghammer

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook Like-Button. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren
Weitere Informationen

Teile den Beitrag auf

Facebook
Twitter
Monatliche Updates in deiner Inbox!

Diese Artikel solltest du ebenfalls lesen

  • Vom einfachen Mendelschen Vererbungsmodell zur komplexen Realität: Viele Merkmale entstehen aus dem Zusammenspiel zahlreicher Gene – und werden zusätzlich durch Umwelt und genetischen Hintergrund geprägt.

    Mehr als nur ein Gen

    Juni 5, 2026
  • Ein Mensch blickt in den Sternenhimmel.

    Geschützt: Preporuka za čitanje: Izvor Zivota

    März 13, 2026
  • Verschiedene Plastikflaschen liegen auf einem Haufen.

    Enzyme fressen Plastikmüll

    Dezember 5, 2025
« Was wünschen sich Österreicher*innen vom Staat?
Schrödingers Katze
  • › Impressum
  • › Datenschutz
  • › Über uns
  • › Kontakt